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E-Lkw auf der Nachtlinie: 760 Kilometer elektrisch
Andreas Schmid Logistik setzt auf der IDS HUB-Verbindung zwischen Gersthofen und Neuenstein bei Bad Hersfeld ein Mercedes-Benz eActros 600 ein. Rund 760 Kilometer legt der batterieelektrische Lkw pro Nacht zurück – inklusive gezieltem Nachladen im IDS Zentral-HUB. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Elektromobilität funktioniert auch im Sammelgut-Fernverkehr. Entscheidend sind allerdings eine verlässliche Ladeinfrastruktur und ein intelligentes Lademanagement.
Elektromobilität im schweren Fernverkehr? Für IDS Partner Andreas Schmid ist das keine theoretische Frage mehr. Seit Juni 2026 gehören zwei Mercedes-Benz eActros 600 zum eigenen Fuhrpark. Zuvor hatte das Unternehmen die Fahrzeuge bereits mehrere Monate im Mietmodell getestet und Erfahrungen im täglichen Betrieb gesammelt.
Heute kommen die batterieelektrischen Lkw sowohl im Sammelgut-Nahverkehr am Tag als auch im Sammelgut-Fernverkehr auf Nachtlinien zum Einsatz. Eine davon führt regelmäßig zum IDS Zentral-HUB nach Neuenstein.
760 Kilometer in einer Nacht
Die Strecke von Gersthofen nach Neuenstein beträgt rund 380 Kilometer je Fahrtrichtung. Damit absolviert der eActros auf der HUB-Verbindung etwa 760 Kilometer pro Nacht. Seit dem 27. April 2026 fuhr das Fahrzeug zunächst etwa dreimal wöchentlich nach Neuenstein. Seit 1. Juli ist es täglich auf der Strecke unterwegs.
Die Bilanz fällt bei Andreas Schmid ausgesprochen positiv aus. Im operativen Einsatz sieht das Unternehmen keine relevanten Einschränkungen gegenüber einem vergleichbaren Dieselfahrzeug. Das Zusammenspiel von Antrieb, Telematik und Fahrzeugkomfort habe sich im Alltag bewährt.
Ein wesentlicher Faktor dafür ist das Laden während des Aufenthalts im Zentral-HUB. Denn bei der nächtlichen Fahrleistung von rund 760 Kilometern kommt es darauf an, die Standzeit in Neuenstein gezielt für die Rückfahrt zu nutzen.
Laden, was für die Rückfahrt benötigt wird
Im IDS Zentral-HUB stehen vier Ladepunkte zur Verfügung. Über ein aktiv gesteuertes Lademanagement wird die verfügbare Ladeleistung entsprechend dem Bedarf der Fahrzeuge verteilt. Der eActros von Andreas Schmid erhält so während seines Aufenthalts genau die Energiemenge, die für die Rückfahrt nach Gersthofen gebraucht wird.
Für den operativen Betrieb ist diese Planbarkeit entscheidend. Statt möglichst viel Strom in möglichst kurzer Zeit zu laden, werden Fahrzeugbedarf, verfügbare Leistung und Standzeit aufeinander abgestimmt. So lässt sich die vorhandene Ladeinfrastruktur effizient nutzen.
Auch die Fahrer ziehen ein positives Fazit. Sie schätzen vor allem die Laufruhe und die geringere Geräuschentwicklung im Fahrerhaus. Hinzu kommen das gleichmäßige Anfahren und Beschleunigen. Gerade auf langen Strecken sorgt der elektrische Antrieb damit für ein angenehmes Fahrgefühl.
Wirtschaftlichkeit hängt an mehreren Faktoren
Neben dem Fahrkomfort spielen für Andreas Schmid Logistik vor allem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. Ein wesentlicher Vorteil ist derzeit die Mautersparnis gegenüber einem konventionell angetriebenen Lkw. Gleichzeitig verbessert der batterieelektrische Antrieb die CO₂-Bilanz des Unternehmens.
Wie wirtschaftlich E-Lkw langfristig betrieben werden können, hängt jedoch nicht allein vom Fahrzeug ab. Ein zentraler Faktor ist die Ladeinfrastruktur – und genau hier sieht Andreas Schmid derzeit eine der größten Herausforderungen für eine schnelle Elektrifizierung.
Das Unternehmen baut deshalb eine eigene Ladeinfrastruktur am Standort auf. Das Projekt ist bereits beauftragt und wird mit Fördermitteln realisiert. Die Inbetriebnahme ist für Juni 2027 vorgesehen.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lkw können künftig direkt auf dem Betriebshof geladen werden. Zudem lässt sich Strom aus den eigenen Photovoltaikanlagen nutzen und zusätzlicher Strom zu den unternehmenseigenen Einkaufskonditionen beziehen. Das kann die Energiekosten weiter reduzieren.
Der Trafo wird zum Flaschenhals
Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass die Transformation des Fuhrparks nicht allein eine Frage der Fahrzeugbeschaffung ist. Für die neue Ladeinfrastruktur muss die bestehende Trafostation um einen zweiten Transformator erweitert werden. Lange Lieferzeiten für Trafo, Technik und Anschlüsse verzögern jedoch den Ausbau.
Hinzu kommt: Mit der geplanten Erweiterung ist die verfügbare Netzkapazität am Standort zunächst ausgeschöpft. Sollen künftig weitere Ladepunkte oder zusätzliche E-Lkw hinzukommen, ist deshalb ein entsprechender zeitlicher Vorlauf notwendig. Für Andreas Schmid ist die Verfügbarkeit leistungsfähiger Ladeinfrastruktur damit eines der zentralen Themen für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität im Straßengüterverkehr.
Nicht auf die perfekte Lösung warten
Trotz dieser Herausforderungen fällt die Empfehlung an andere Unternehmen eindeutig aus: Wer den Einstieg in die Elektromobilität plant, sollte nicht darauf warten, bis überall eine vollständig ausgebaute Ladeinfrastruktur zur Verfügung steht. Auch mobile und flexible Ladelösungen können bereits heute den wirtschaftlich tragfähigen Einsatz batterieelektrischer Nutzfahrzeuge ermöglichen.
Ebenso wichtig sind Kooperationen. Gerade im Fernverkehr kann Elektromobilität ihre Stärken ausspielen, wenn Verlader, Speditionen und Netzwerke gemeinsam denken und Ladeinfrastruktur dort verfügbar machen, wo Fahrzeuge ohnehin planmäßige Standzeiten haben. Genau das zeigt der HUB-Verkehr von Gersthofen nach Neuenstein und wieder zurück.